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 Entsolidarisiert
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 Editorial Oktober 2017

Rassisten, Nationalegozentriker, populistische Dummschwätzer? Was für ein schämenswürdiges Bild gibt unser Deutschland mit jetzt 94 Rechtsaußen im Bundestag!

Ja, jeder Mensch hat eine egoistische Ader, im Denken und Handeln, aber meist auch eine humane Seele, Mitgefühl und solidarische Neigungen! Unser gesellschaftlicher Konsens beruht darauf, die konstruktiven Kräfte der privaten und wirtschaftlichen Freiheit zur Geltung kommen zu lassen und die destruktiven Nebenwirkungen durch Gesetze und ein tolerantes, weltoffenes Miteinander zu begrenzen.

Wer sich als religiöser Fanatiker, nationaler Wir-Zuerst-Schreihals oder als gewalttätiger Linksautonomer aus dieser Solidarität verabschiedet, muss zu spüren bekommen, dass er damit die Grenzen unserer toleranten Gesellschaft verlassen hat.

Zur Randerscheinung werden die radikalen Fliehkräfte aber nicht durch schöne Worte. Die realen Defizite und Ungerechtigkeiten innerhalb unseres ach so legalen Systems müssen spürbar abgebaut werden. Nehmen wir zwei Beispiele aus unserer Arbeitswelt:

Leiharbeit/Zeitarbeit und die innerbetriebliche Beschäftigung von Personen per Werkvertrag wurde zugelassen, um Wirtschaft und Arbeitskraft dynamischer und effizienter zu machen. Durch gierig planvollen, nicht sanktionierten Missbrauch, gibt es jetzt tausende Betriebe mit einer 3-Klassen-Arbeiterschaft, bestehend aus der schrumpfenden gut bis übertariflich bezahlten Kernbelegschaft, den unterbezahlten Leihkräften, die die Stammbelegschaft sukzessive ersetzen und den fast rechtlosen, scheinselbständigen Werkverträglern.

Oder nehmen wir die Speditionen, wo selbst die kaum über Mindestlohn bezahlten Trucker ihre Jobs verlieren, weil Abertausende von osteuropäischen Zwangsnomaden unter geduldeter Missachtung deutscher und europäischer Mindestbedingungen für wenige Hundert Euro im Monat 24/7 inkl. Wochenende auf unseren Autobahnen und Rasthöfen leben. Leben?

Rolf Albrecht
     
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