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 Die Strommix-Lüge
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 Kommentar

Wer - wie wir - die Probleme um den Klimawandel ernst nimmt und danach handelt, versucht relevante Emissionen zu vermeiden. Dazu gehört natürlich die Nutzung von Ökostrom für Wohnhaus und Redaktionsbüro, sowie für die E-Autos.

Öko-Gutmensch wird man dadurch noch lange nicht - zumal jeder irgendwo Kompromisse macht: Ich fahre jährlich gut 3.000 km mit einem fast 30 Jahre alten Motorrad, das nicht mal E10-Benzin verträgt - aber mit gut 4 Liter/100 km auskommt. Auch fliege ich jährlich mehrmals, z. B. letztens zur Interclean nach Amsterdam.

Aber die ständigen Behauptungen, man würde als Ökostromnutzer letztlich doch den Strommix aus dem Netz nutzen und sei für die anteiligen Emissionen verantwörtlich, gehen mir auf die Nerven - sind eine absurde Umkehrung von Ursachen.

Im Grunde wird der Vertriebsweg zum Produkt umdefiniert. Das ist zum (provokanten) Vergleich so, als würde man einen Vegetarier beim Gemüsekauf im Supermarkt für die Verbreitung von Alkoholismus verantwortlich machen weil im gleichen Laden Regale voll Bier, Wein und Schnaps verfügbar sind.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn ich irgendwo in Frankreich unser E-Auto lade, bekomme ich bei undeklarierter Stromherkunft vermutlich zu 90 % Atomstrom. Aber in Deutschland wird der meiste Ökostrom explizit an Ökostromabnehmer verkauft - was zur logischen Folge hat, das die angeblich "neutrale" Steckdose keinen Strommix liefert, sondern allein das verbleibende Residual an Atom- und Kohlestrom.

Die Lüge steckt also darin, dass Stromanbieter mit Ihren "Normaltarifen" den statistischen Strommix deklarieren, der aber kaum Ökostromanteile enthalten kann, weil diese ja explizit längst an Ökostromkunden verkauft sind.

Offengelegt würde diese Lüge im Detail, wenn jeder Stromlieferant verpflichtet wäre, mit der Jahresabrechnung seinen Kunden vollständig die energetische Herkunft zu quantifizieren - nicht nach Planzahlen, sondern nach realem Einkauf und realer Produktion.

Rolf Albrecht
   
    
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