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 BaFin-Meldeplattform:
1.319 Whistleblower 2020
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 Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat eine zentrale Stelle, über die Hinweisgeber, sogenannte Whistleblower, Verstöße gegen aufsichtliche Bestimmungen melden können. Der Schutz der Hinweisgeber genießt hierbei höchste Priorität.

Bei der Identifizierung von Verstößen gegen das Aufsichtsrecht kommt Whistleblowern eine große Bedeutung zu. Sie können wertvolle Beiträge dazu leisten, das Fehlverhalten einzelner Personen oder ganzer Unternehmen innerhalb des Finanzsektors aufzudecken und die negativen Folgen dieses Fehlverhaltens einzudämmen beziehungsweise zu korrigieren.

Allerdings sollen Hinweisgeber sicher sein können, dass ihnen aus der Meldung bei der BaFin keine Nachteile entstehen, wenn sie ihre Identität zu erkennen geben.

Mit der Hinweisgeberstelle hat die BaFin nun nicht nur eine zentrale Stelle geschaffen, die für die Entgegennahme solcher Meldungen zuständig ist, sondern auch ein spezielles Verfahren, um die Identität der Hinweisgeber sowie Personen, die von den Meldungen betroffen sind, besonders zu schützen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass die Identität der Whistleblower seitens der BaFin grundsätzlich nicht an Dritte weitergegeben wird. Unabhängig davon besteht für die Hinweisgeber auch die Möglichkeit, die BaFin anonym zu kontaktieren.

Hinweisgebern stehen für ihre Meldungen die folgenden Kommunikationskanäle zur Verfügung:

•  schriftlich in Papierform oder
   auf elektronischem Wege,
•  telefonisch, mit/ohne Gesprächs-Aufzeichnung und
•  mündlich gegenüber den Beschäftigten der BaFin.

Nähere Informationen erhalten Hinweisgeber auf der BaFin-Webseite.

Rechtsgrundlage für die Einrichtung der Hinweisgeberstelle ist der mit dem Ersten Finanzmarktnovellierungsgesetz eingeführte § 4d Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetz (FinDAG).

Die Hinweisgeberstelle ersetzt nicht das Verbrauchertelefon der BaFin, sondern richtet sich an Personen, die über ein besonderes Wissen zu Unternehmensinterna verfügen – etwa weil sie dort angestellt sind oder in einem sonstigen Vertrags- oder Vertrauensverhältnis zu dem Unternehmen stehen.
     
  Leserkontakt
   
 FiskusLeaks, selbst offen für Whistleblower, begrüßt diese Offenheit der BaFin, auch wenn sich das Angebot auf "Verstöße gegen aufsichtliche Bestimmungen" beschränkt.

Verstöße sind leider häufig viel komplexer, als dass sie sich auf gebrochene Einzelvorschriften reduzieren ließen. Und staatliche Stellen können im konkreten Fall leider auch Täter/Mittäter, oder bewusst untätige Mitwisser sein. Potentielle Whistleblower, die deshalb kein Vertrauen in betroffene Behörden haben, werden ggf. auch nicht direkt auf die BaFin zugehen und lieber neutrale, z. B. journalistische, Wissens-Vermittler kontaktieren.
     
   
   
 Ergebnisse aus 2020 liegen vor

Auf Rückfrage, wie die Meldeplattform bisher angenommen wird, hat die Bafin laut Jahresbericht 2020 folgende Angaben gemacht:

2020 sind 1.319 Meldungen bei der Hinweisgeberstelle
der BaFin eingegangen – erneut mehr als im Vorjahr (925 Meldungen). Insgesamt 53 % der Eingaben betrafen mutmaßliche Verstöße von beaufsichtigten Instituten. Die BaFin geht den Meldungen nach und leitet gegebenenfalls Maßnahmen ein, um die Verstöße abzustellen. 36 % der Hinweise bezogen sich auf potenziell unerlaubte Geschäfte, welche die BaFin ebenfalls untersucht. 4 % der Verdachtsmeldungen galten mutmaßlich geldwäscherechtlichen Sachverhalten und 6 % betrafen Beschwerden zu Verbraucherschutzthemen. Bei den restlichen Hinweisen ging es um Sachverhalte, für welche die BaFin nicht zuständig ist, oder die keinen erkennbaren Tatsachengehalt hatten

Mehr als 59 % der Hinweisgeber nutzten das elektronische Hinweisgebersystem, das die BaFin 2017 eingeführt hat. Etwa 33 % der Hinweise gingen per E-Mail und 6 % per Post ein. Telefonische Meldungen machten rund 1 % aus. Persönlich sprachen wie im Vorjahr weniger als ein Prozent der Hinweisgeber vor.

Neue Richtlinie

Im Dezember 2019 ist die neue Whistleblower-Richtlinie in Kraft getreten: die EU-Richtlinie zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden. Die Mitgliedstaaten haben zwei Jahre Zeit, um sie umzusetzen.

Die Richtlinie legt einen einheitlichen EU-weiten Mindeststandard für den Schutz von Hinweisgebern fest, damit diese keine negativen Konsequenzen fürchten müssen.

Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern und
öffentliche Einrichtungen werden dazu verpflichtet,
sichere interne Kanäle für die Meldung von Verstößen
einzurichten. Ungeachtet dessen können sich Hinweisgeber künftig über externe Meldestellen
direkt an die zuständige Aufsichtsbehörde oder an die Öffentlichkeit wenden. Welchen Meldekanal ein Hinweisgeber zunächst wählt, entscheidet er selbst. Damit schränkt er seinen Schutz als Hinweisgeber nicht ein. Die Richtlinie enthält klare Vorgaben zur Ausgestaltung der Meldekanäle, so dass die Vertraulichkeit des Hinweisgebers geschützt ist.
     
   
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