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 Beizug von Arbeitshygienikern
im Betrieb und präventive Expositionsmessungen
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 Autorin: Chantal Leuenberger, Encome

Die Rondo Burgdorf AG
und ihre Bäckereimaschinen


Wer geniesst nicht gerne ein Gipfeli oder ein anderes Gebäck zum Kaffee? Doch wer denkt dabei an den Herstellungsprozess dieser Delikatessen? Die Zeiten, als der Bäcker kunstvoll Croissants und andere Backwaren komplett von Hand herstellte sind definitiv vorbei. Auch in den Bäckereien hat die Automatisierung Einzug gehalten.

Entwickelt und gebaut werden Bäckereimaschinen in Burgdorf. Seit 70 Jahren dreht sich bei der Firma Rondo alles ums Ausrollen und Formen von Teig. Hergestellt werden hochwertige Maschinen sowohl für kleine Bäckereien als auch für industrielle Grossbetriebe. Tagtäglich sind diese Anlagen weltweit im Einsatz und produzieren Feingebäck und Croissants, Brote sowie Pizzen und Donuts.

Bei Rondo haben die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz einen hohen Stellenwert. Die Beizugspflicht gemäss EKAS 6508 wird ernst genommen und die ASA-Richtlinie damit umgesetzt. Die Umsetzung erfolgt anhand eines individuellen Sicherheitssystems. Das Unternehmen verfügt mit Matthias Lehmann über einen ausgebildeten Sicherheitsfachmann, welcher zu seiner Unterstützung weitere ASA (Arbeitsärzte und andere Spezialisten der Arbeitssicherheit) gemäss Anhang 2 der EKAS 6508 beizieht.

Zusätzlich finden regelmässige Sicherheitsrundgänge statt, welche durch einen externen Sicherheitsfachmann durchgeführt und begleitet werden. Anlässlich dieser Termine werden auch Lösungen für spezifische Problemstellungen erarbeitet.

Die Blechteile für die Rondo-Maschinen werden in der eigenen Schlosserei hergestellt. Dort arbeiten 20 ausgebildete Schweisser, Anlagen- und Apparatebauer. Auch Frauen arbeiten in dieser männerdominerten Domäne.

Vorgehen nach der ASA-Richtlinie

Matthias Lehmann und Markus Gruber, Abteilungsleiter Schlosserei, haben eine umfassende Gefährdungsermittlung durchgeführt. In der Schlosserei wurden dabei die Schweiss- und Schleifarbeitsplätze als Arbeitsplätze mit einer hohen Gefährdung erkannt.

Mit dem Einbau eines Luftreinigungssystems (Clean Air Solutions mit Flimmer-Filter-Technologie) wurden bereits technische Massnahmen umgesetzt. Der Lüftungsinstallateur hatte vor und nach der Inbetriebnahme der Einrichtung die Staubpartikel-Konzentration gemessen. Mit dieser Massnahme konnte eine Reduktion von 70 % gegenüber dem ursprünglichen Wert erreicht werden.

Bei den Schweissarbeitsplätzen können abhängig von den eingesetzten Schweissverfahren nicht nur Inertstaub, sondern schwermetallhaltige Stäube und Rauche sowie toxische Gase entstehen (SUVA Schweissen und Schneiden, Schutz vor Rauchen, Stäuben, Gasen und Dampfen, Bestellnummer 44053).

Rondo hat daher für diese Bereiche eine umfassende Abklärung durch einen Arbeitshygieniker gewünscht.

Was kann die Arbeitshygiene beitragen
und wie kann vorgegangen werden?


Während immer noch viele Betriebe glauben, Arbeitshygiene hätte hauptsächlich mit Händewaschen zu tun, hatte Matthias Lehmann ganz klare Vorstellungen: Expositionsmessungen sollten vor allem an den Schweissarbeitsplätzen durchgeführt werden.

Ziel war es, die Exposition zu kennen und mittels Vergleich mit den MAK-Werten eine Beurteilung der aktuellen Situation vorzunehmen um sicher zu stellen, dass die Mitarbeitenden keinen gesundheitsgefährdenden Stoffen ausgesetzt sind.

In diesem Zusammenhang kann die Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden heikel sein, denn plötzlich tauchen seitens der Mitarbeitenden kritische Fragen auf, im Sinne von «warum müssen die messen? Haben wir eine gefährliche Atmosphäre?»

Als Arbeitshygieniker gehen wir bei solchen Fragestellungen wie folgt vor:

1.  Studium der Gefährdungsermittlung des SiBe
2.  Begehung vor Ort
3.  Überblick über die eingesetzten Verfahren
4.  Ermittlung der möglichen Schadstoffe, evaluieren
     von Probenahmen und Analysenmethoden
5.  Erstellung eines Messkonzepts
     (und Einreichen eines Angebots)
6.  Information der Mitarbeitenden
7.  Durchführen der Expositionsmessungen
8.  Auswertung und Berichterstellung
9.  Empfehlen von Massnahmen

Expositionsmessungen und
Erfahrungen bei RONDO Burgdorf


Die Begehung zeigte, dass in der Schlosserei hauptsächlich Chromstahl mittels TIG-Schweissverfahren verarbeitet wird. Das Messkonzept wurde darauf abgestützt und die kritischsten Schwermetalle Chrom und Nickel sowie die gefährlichere Oxidationsstufe des Chroms (CrVI) auf Person gemessen.

Weiter wurden die Staubpartikelkonzentrationen kontinuierlich aufgezeichnet sowie Ozon und Kohlenmonoxid gemessen.

Die Mitarbeitenden wurden am Messtag über Sinn und Zweck der Expositionsmessungen durch die Arbeitshygienikerin informiert und machten bereitwillig mit. Die Schlosserei zeigte sich bereits bei der Begehung in einem ausserordentlich sauberen Zustand. Während der Probenahme wurde zudem das Gespräch mit den Mitarbeitenden gepflegt.

Auch als ASA muss man sich schützen, um Gesundheitsrisiken zu minimieren. Das Bild rechts zeigt den Messtechniker und angehenden Arbeitshygieniker Damien Kurc: Während der Arbeit wird ein Schweisserhelm getragen.

Die Resultate der Messungen zeigten, dass die Rondo-Mitarbeitende keinen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt waren. Die Konzentrationen aller analysierten Schwermetalle lagen weit unter den MAK-Werten.

Gase wie Ozon oder Kohlenmonoxid konnten nicht nachgewiesen werden.

Auch die Staubkonzentrationen waren tief und deckten sich weitgehendst mit den Messungen des Lüftungsspezialisten.

Der präventive Beizug von ASA ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Gesundheitsrisiken und damit die Einsparung von Kosten im Falle einer Krankheit.

Matthias Lehmann, Sicherheitsfachmann von Rondo Burgdorf, sagt zu diesem Projekt: «Nach erfolgter Gefährdungsermittlung war für mich klar, dass eine Zusammenarbeit mit Arbeitshygienikern unumgänglich ist. Nur so war es möglich, die effektiven Konzentrationen der einzelnen Stoffe an den Schweissarbeitsplätzen zu kennen.»

Es ist wichtig, dass die Mitarbeitenden über das Vorgehen und die Motivation, warum solche Messungen ausgeführt werden, informiert werden. Rückblickend kann gesagt werden, dass die Arbeitsplatzbeurteilung erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Wir kennen nun die Konzentration der einzelnen Stoffe und haben diese den Mitarbeitenden auch zur Kenntnis gebracht. Dieses Vorgehen wurde seitens der Geschäftsleitung stets unterstützt.

Mit der Firma Encoma-OSH haben wir einen kompetenten Partner gefunden, welcher basierend auf einer Begehung vor Ort zuerst das Messkonzept festgelegt hatte, anhand welchem die Messungen zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt wurden. In der Zusammenarbeit hat man gespürt, dass sich die Firma mit solchen Aufgabenstellungen auskennt und professionelle Unterstützung bieten kann.

Die Messergebnisse wurden uns in Form eines Berichtes eröffnet. Ebenso erhielten wir für die Mitarbeitenden eine kurze Zusammenfassung der Resultate.

Seitens der Mitarbeitenden wurde dieses Vorgehen sehr positiv gewertet  «Rondo ist unsere Gesundheit wichtig!».
   
   
 
 
 
 
 
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Durchgang Schweissarbeitsplätze, zu sehen sind die Lüftungselemente
 
 
 
 
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Übersicht des Schweisser-Arbeitsplatzes
 
 
 
 
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Während der Arbeit wird ein Schweisserhelm getragen
 
 
 
 
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Das realisierte Projekt wiederspiegelt die Vorgehensweise bei der Beurteilung von Arbeitsplätzen.
(Bilder: Encoma-OSH)
   
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