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 Pandemie: Mit Abstand zu
sicheren Veranstaltungen mit
reduzierter Teilnehmerzahl
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 Leitartikel/Kommentar April 2020
(Veröffentlicht 7.4.20; zuletzt aktualisiert 10.5.20)

Ein Grundproblem in der jetzigen Pandemie-Zeit ist der natürliche Widerspruch zwischen den klaren Gesundheits-Prioritäten und der legitimen Ausübung aller Berufe und der freien Versammlung zu jedem legalen Zweck.

Restriktionen, die nicht nachvollziehbar Leben und Gesundheit wirksam schützen, haben damit im Auge des Grundgesetzes und der allgemeinen Menschenrechte keine Rechtfertigung, müssen also ohne begründete Verzögerung umgehend aufgehoben werden.

Erste Mitbürger haben mit Klagen Erfolg und viele Betroffene werden nach und nach ungeduldig, was kurzfristig beides nicht hilft und nur Unruhe schafft.

Politik und Gesellschaft müssen sich deshalb täglich angemessene Schritte erarbeiten, wie wir die Pandemie kontrolliert durchleben und stets alles zulassen, was nicht unangemessene Risiken birgt.

Seit Anfang März haben wir schon zahlreiche eigene Erfahrungen gesammelt und wesentliche, unstrittige Maßstäbe für unser Verhalten definiert. Die müssen wir nun Woche für Woche über ein Stufenprogramm anwenden. Dazu kennen wir bereits folgende Regeln, die nach Lockerungen um so konsequenter einzuhalten sind:

• Regelmäßig gründlich Händewaschen.
• Ohne Waschgelegenheit Hände desinfizieren.
• Körperkontakt nur in der Familie/Partnerschaft.
• Kranke vermeiden jede Nähe abseits der Pflege.
• Infizierte und Gefährdete halten Selbstquarantäne.
• Freiwillige Kontaktreduzierung gilt generell für
   Senior(inn)en und relevant Vorerkrankte.
• Handkontakte zu allen Oberflächen meiden,
   die eine Schmierinfektion übertragen könnten.
• Derartige Kontaktflächen oft reinigen/desinfizieren.
• Nicht offen husten oder niesen um
  Sprühinfektionen zu vermeiden.
• Bei unvermeidlicher Nähe zu Dritten
   (z. B. Fahrstuhl, Bus) Gesicht vom Gegenüber
   wegdrehen und/oder Mundschutz tragen.
• Bei jeder Begegnung möglichst 2 m Abstand
   erhalten oder durch Ausweichen ermöglichen.
• Aufenthalt nur, wo 2 m Abstand möglich ist. Dass
   teilsweise nur 1,5 m vorgegeben werden, halte ich
   für duldbar, wenn die übrigen Regeln umgesetzt sind.
   Wenn der Platz reicht, mehr als 2 m Abstand halten.
   
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Als kleine Auflockerung zum sonst ernsten Thema zeigen hier die Kuscheltiere Sitzregeln für Pandemie-Zeiten: Familie Bär darf auch mit Kindern eng beieinander sitzen, aber Obelix sitzt allein, da Kumpel Asterix nicht direkt dabei ist. (Bild: Edition Professionell)
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 Unter Einhaltung dieser Regeln können sich alle Gesunden frei in der Öffentlichkeit bewegen und auch Veranstaltungen mit ggf. reduzierter Teilnehmerzahl durchgeführt werden, entsprechend unserem Grundrecht.

Aber was bedeutet das konkret? Deshalb folgend einige Beispiele nach meiner Einschätzung, beruhend darauf, was weitgehend unstrittig als risikoarm gilt:
     
   
   
 Sitzungen, Besprechungen, Seminare:
Viele derartige Treffen finden bereits über Telefon- oder Videokonferenzen statt - bis zum schon selbst realisierten Familientreff per Zoom-App. Und Seminare werden zu Webinaren, mit den Referenten als Video-Coach.

Da die großen Treffen mit vielen Teilnehmern ohnehin für die nächsten Monate abgesagt sind, kann man vielerorts ein Saal-Upgrade realisieren. Der große Seminarraum für 50 Leute reicht dann für gut 20 und der kleine für 10 statt 20. Rechengrundlage ist der 2 m Abstand = 2x2 = 4 m² pro Person. Nötige Abstell- und Bewegungsflächen muss man natürlich aus der Berechnung rauslassen.

Größere Veranstaltungen:
Auch hier gilt 4 m²/Person plus großzügiger Bewegungsflächen, damit sich nirgends Personenstaus bilden. Der nötige Freiraum muss zudem im Ein- und Ausgangsbereich, in Pausen und bei Mahlzeiten sowie im ständig sauber zu haltenden Sanitärbereich gegeben sein.

Kirche, Kino, Theater, Museun, Zoo:
Wo Besucher nur beim Herumlaufen besichtigen, kann man überall die Teilnehmerzahl so begrenzen, dass es eben nie eng wird, man einander mit Abstand umlaufen kann. Breite Treppen, Flure und weite Räume sind ohnehin oft vorhanden.

Sitzt man, zumal in fest installierten Sitzreihen oder Kirchenbänken, wird es schwieriger: Auf ca. 2 m kommt man aber, wenn direkt voreinander keiner sitzt und zwischen den Personen 2 Sitze frei bleiben.

Für Einzelpersonen ergibt das folgende Plätze:
Reihe 1: Plätze 2, 8, 14, 20 ...
Reihe 2: Plätze 5, 11, 17, 23 ...
Reihe 3 wie Reihe 1 und Reihe 4 wie Reihe 2, usw.

Für Sitzblöcke mit zusammen lebenden Paaren:
Reihe 1: Plätze 2+3, 10+11, 18+19 ...
Reihe 2: Plätze 6+7, 14+15,  22+23 ..
Reihe 3 wie Reihe 1 und Reihe 4 wie Reihe 2, usw.

Mit Einzelpersonen kann man so ca. 1/6 der Sitzplätze belegen, mit Paaren ca. 1/4. Immer hinreichender Platz in Gängen, Foyers, etc. bleibt natürlich eine Nebenbedingung.

Treten nur Einzelpersonen oder wenige Personen auf, dürfte auf der Bühne genug Platz sein. Für Chöre, Orchester, Tanzgruppen wird es schwieriger. Das wird wohl erst dann vertretbar sein, wenn alle Akteure zeitnah vor den Auftritten auf Covid-19 getestet werden können, um einander risikoarm nah kommen zu dürfen.

Aktiver Sport und Sportveranstaltungen:
Ohne Training keine Sportwettkämpfe - also muss man erst sehen, welcher Sportler(innen) überhaupt angemessen trainieren können.

Einzelspiele bei Tennis oder Tischtennis finden ohne Körpernähe statt, sind also jederzeit möglich. Beim Doppel geht es noch, und wohl auch beim Volleyball. Handball, Basketball oder Fußball setzen aber Tests voraus, die auch von der Kapazität verfügbar werden müssen - und vom Veranstalter bezahlt werden.

Auch beim Sport ohne Bällen ist die Betroffenheit unterschiedlich. Läufer dürfen nicht zu enge Gruppen bilden, auch Radfahrer können ihr Peloton etwas strecken und mit weniger Windschatten fahren. Rudern allein ist perfekt - im Mannschaftsboot zu eng, es sei denn das Doppel nimmt das 4er-Boot und die Vierer das große 8er. Diese Beispiele sollten reichen, um sie sinngemäß auf andere Sportarten anzuwenden.

Auf den Tribünen gelten dann wieder die Regeln, wie oben für andere Veranstaltungen. Ich halte es dabei für legitim, dass Dauerkarteninhaber und Vereinsmitglieder bevorzugt die wenigen Karten bekommen und Ortsansässige Vorrang vor Gästen mit weiter Anreise haben. Derart zwangsverstreutes Sitzen ist ungewohnt und sicher "uncool", aber sicher besser als totenstille "Geisterspiele".

Open Air - eine Freikarte für Frühjahr/Sommer:
Das tolle Wetter im April haben gleich einige Kontroll-Apostel zum Problem erklärt. Was für eine Absurdität: In engen Gebäuden leben und arbeiten zu müssen, ist eine psychische Belastung und auch eine zu vermeidende physische Beschränkung. Aufenthalt und Bewegung im Freien hingegen motiviert, aktiviert und schadet niemanden. In Stadtzentren oder an beliebten Plätzen, z. B. Aussichtspunkten, gilt natürlich wieder der 2-m-Abstand. Aber sonst können wir uns doch "in Scharen" in Wald und Flur verteilen, um Sonne und frische Luft zu genießen.

Und manche Veranstaltung können wir jetzt doch erst recht aus dem zu engen Gebäude ins Freie verlagern, z. B. einen Gottesdienst aus der kleinen Dorfkirche auf den Sportplatz, wo obendrein der Gesangverein noch, auf Abstand stehend, auftreten kann.

Rolf Albrecht
     
   
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