Wir benutzen nur Cookies, die für die Funktionalität der Webseiten erforderlich sind. Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Fachwissen für den professionellen Leser Edition Professionell www.ed-pro.de
Startseite Übersicht Leserbereich Kontakt per E-Mail Datenschutz Impressum
 Tödlich: Bundesländer hatten
über 7 Mio. Impfdosen auf Lager - und 370.789 Impfdosen sind verschollen
    zurück blättern  
   
 Der folgende Kommentar, den wir bis zum 10. Juli mindestens alle 14 Tage aktualisiert hatten, bleibt nur noch als Dokumentation der bis Juli tödlichen Impfstoff-Einlagerung trotz Impf-Wartezeiten bestehen. Seit Mitte Juli fehlt an es genügend Impfwilligen. Wöchentlich erhöhen sich die Lagerbestände um mehrere Millionen Impfdosen, die man schnellstmöglich an Entwicklungsländer über das Covax-Programm verschenken sollte. alb

Kommentar
Stand: 10. Juli 2021

Schon seit Beginn der Corona-Impfungen zum Jahreswechsel verfolgen wir die leider stets zu langsamen Fortschritte der Verimpfung. Dabei geht es hier aber nur um real mögliche Impfungen, die durch falsche Vorgaben, quer durch viele Bundesländer, unterlassen wurden und immer noch unterlassen werden.

Unsere Beweisführung, wie umfassend hier vorhandene Impfdosen mit vielfacher Todesfolge ungenutzt seit Januar eingelagert sind, beruht nicht auf eigenen Behauptungen, sondern im Kern auf der Auswertung der offiziellen Statistiken des RKI-Impfmonitoring und des staatlichen "Impfdashboard".

Beginnen wir mit der Übersicht der Bundesländer

mit dem wie folgt definierten Impfrückstand:
Die Ausgangsposition setzt das Bundesland mit der besten Impfquote. Hier zählt aber nicht nur die absolute Addition aus den %-Werten der Erst- und Zweitimpfung. Wir korrigieren den Wert um die Abweichungen der Liefermengen. Da besonders das Saarland und Sachsen Sonderlieferungen bekommen haben, stürzten diese in unserem Ranking komplett ab, weil diese die Mehrlieferung von Ende März faktisch kaum verimpft haben. Das Saarland liegt im Ranking inzwischen besser, aber nur weil andere Bundesländer aus anderen Gründen zurückgefallen sind. Die unverimpfte Menge an Impfdosen ergibt sich dann aus der Multiplikation mit der Einwohnerzahl (in Mio.). Ergänzt wird das Ranking mit dem Trend: Platz Ende Mai>Mitte Juni>Ende Juni>Jetzt.

Bremen ist allen Bundesländern voraus

Bremen ist schon vor Ostern zum Bundesland mit der höchsten Impfquote aufgestiegen und hat diese Position seither jede Woche behauptet. Und hier als Ranking der Impfrückstände gegenüber dem aktuellen Bestwert:

- 2,4 % x 17,9 = 429.600 Nordrhein-Westfalen 3>2>2>2
- 3,7 % x   2,9 = 107.300 Schleswig-Holst. 2>3>3>3*
- 5,8 % x   4,1 = 238.800 Rheinland-Pfalz 4>4>5>4

- 7,4 % x   1,0 =   74.000 Saarland 11>9>4>5
- 7,6 % x   8,0 = 608.000 Niedersachsen 10>6>7>6
- 8,0 % x 11,1 = 888.000 Baden-Württemb. 5>7>6>7

- 8,1 % x   6,3 = 510.300 Hessen 7>11>8>8
- 8,6 % x   3,7 = 318.200 Berlin 16>10>10>9
- 9,3 % x   1,8 = 167.400 Hamburg 6>13>12>10

-10,3 % x13,1=1.349.300 Bayern 9>14>13>11
-10,6 % x  1,6 = 169.600 Mecklenburg-Vorp.12>5>9>12
-11,2 % x  2,2 = 246.400 Sachsen-Anhalt 15>15>11>13

-13,1 % x  2.1 = 275.100 Thüringen 8>12>15>14
-14,0 % x  2,5 = 350.000 Brandenburg 13>8>14>15
-17,7 % x  4,1 = 725.700 Sachsen 14>16>16>16

* Potentiell fehlen in der Statistik für Schleswig-Holstein 55.000 von Dänemark übernommene Impfdosen. Statt 3,7 wäre die Differenz dann 5,6 %, womit SH nicht den Rankingplatz verlieren würde.

Damit liegen in diesen 15 Bundesländern im Vergleich zu Bremen aktuell 6.456.700 Impfdosen ungenutzt in irgendwelchen Kühllagern. Über 6,4 Mio. Mitbürger*innen mehr könnten allein nach diesem Vergleich schon erstgeimpft sein.

Das offizielle deutsche Impfdashboard weist diese Zahlen nicht extra aus, obwohl sie sich daraus exakt so nachrechnen lassen. Dort findet man einen anderen Vergleich: Gerundet wurden bis zum 4. Juli 88,6 Mio. Impfdosen ausgeliefert und davon bis inkl. 9. Juli 81,3 Mio. verimpft - was einen Rückstand von 7,3 Mio. Impfdosen erklärt. Die Differenz ist kein Widerspruch, da bis Freitag ja auch Impfungen aus dem Liefereingang der Vorwoche gemacht wurden.
     
  Leserkontakt
   
 Vermutlich insgesamt 6-7 Mio. Impfdosen auf Eis

Mehrfach sind sind Mai Meldungen in den Medien aufgetaucht, das mehrere Mio. Impfdosen eingelagert seien. Da hier aber die Datengrundlage mit exakten Tagesabgrenzungen der Lieferungen und Verimpfungen unbenannt waren, haben wir diese Zahlen nicht verwendet. Hätten wir z. B. die Verimpfungen von Donnerstag und Freitag nicht eingerechnet, kämen wir sogar auf über 8 Mio.

Wir versuchen fair zu rechnen: Erstmal gibt es natürlich eine unvermeidbare zeitliche Lücke, von der Auslieferung der Impfdosen an die Bundesländer bis zur Meldung als vollzogene Verimpfung. Aber beim wöchentlichen Arbeitsrhythmus der Impfzentren kann und muss jede Lieferung binnen 7-8 Tagen vollständig verimpft und am Folgetag in der Statistik wiederzufinden sein. Deshalb beruht unser Vergleich auch auf den Liefermengen der Vorwoche und zählt alle Verimpfungen jeweils bis inkl. Freitag.

Ursache für die anfängliche Einlagerung der Impfdosen war die Angst vor ausbleibenden Folgelieferungen, die dann die Vergabe der Zweitdosis gefährdet hätte. Während einige Bundesländer fleißig geimpft haben, haben andere die Hälfte der Impfdosen eingelagert. Das denkbare Anfangsproblem ist aber bereits seit Mitte Januar abgehakt. Seitdem geht es nur um die Unsicherheiten der Lieferzunahmen, die auf diese Bewertung keinen Einfluss haben.

Seit Januar kommen alle Lieferungen zuverlässig, bei nur geringen Abweichungen gegenüber Planzahlen. Zudem steigen die wöchentlich erwarteten Liefermengen nahezu kontinuierlich, weshalb auch die Vergabe der Erstdosen gut wachsen konnte, ohne die Zweitdosen zu vernachlässigen.

Es gibt folglich seit Mitte Januar keinen Grund mehr, auch nur geringe Mengen an Impfdosen einzulagern. Die Menge zurückgehaltener Impfdosen ist damit zugleich die Summe unterlassener Schutzmaßnahmen.

Jemand der seit Mitte Januar geimpft worden wäre, würde sich z. B. im Februar/März/April/Mai/juni nicht mehr anstecken, würde nicht erkranken und nicht folgend im März/April/Mai/Juni/Juli versterben.

Bei im Juni noch bis zu 100 Toten pro Tag, wären 7 % mehr Geschützte rechnerisch 7 Tote weniger - täglich. Da aber nicht der Durchschnittsbürger ungeimpft blieb, sondern die gefährdeten "fulnerablen" Personen, lag die vermeidbare Totenzahl um ein vielfaches höher - mit sinkender Tendenz. Nur 2-fach höher wären täglich 14 vermeidbare Todesfälle. Genau kann man das weder vorab noch posthum berechnen, aber die Größenordnung ist logisch kausal, auch wenn man die Todesfälle einzeln kaum zuordnen kann.

Wer eine mögliche Hilfe bei Lebensgefahr für Dritte nicht gibt, macht sich in jedem Einzelfall wegen unterlassener Hilfe strafbar.

Gilt das nicht für Landesregierungen, die durch aktive Impf-Unterlassung summiert bereits wohl über Tausend vermeidbare Todesfälle verursacht haben?

Jetzt im Juli gibt es aus den bisherigen Versäumnissen noch täglich Tote aus den Ansteckungen der Vormonate - aber dank niedriger Inzidenz nur wenig neue schwer Erkrankte.

Statistische Lücke: Wieviel Dosen je Ampulle?

Seit Mai, mit wöchentlich mehreren Millionen Impfungen, entsteht ein großes statistisches Problem, was bis April noch keine dominante Rolle gespielt hat:

Vereinfacht gesagt haben die Ampullen von Biontech und AstraZeneca ca. 20 % Überfüllung. Bei exakter Entnahme können damit bei Biontech-Ampullen 7 statt 6 Dosen entnommen werden und bei AstraZeneca 11 oder 12 statt 10. Manche Impfzentren/Ärzte nutzen dieses Potential konsequent, andere durch Ignoranz, mangelndes Feingefühl oder absichtlich leicht erhöhter Impfdosis nicht.

Repräsentative Daten haben wir nicht und hierzu leider trotz wiederholter Nachfragen noch immer keine Antwort vom Bundesgesundheitsministerium. Aber wenn in uns bekannten Fällen zumindest die Hälfte der Übermengen real nutzbar ist, hätten wir insgesamt 10 % mehr Impfdosen. Bei seit der Vorwoche gelieferten über 88 Mio. Impfdosen, die nur mit 6 bzw. 10 je Ampulle berechnet sind, haben wir bereits 8,8 Mio. Impfdosen mehr, als die Statistik ausweist. Zusammen mit den o. g. offiziellen 7,3 Mio. lt. Impfdashboard, kommen wir potentiell auf derzeit bis zu 16 Mio. unverimpfte Dosen.

370.789 Impfdosen verschwunden?

Zusätzlich gab es zwischen den Lieferstatistiken vom Stand 25. Mai zum Stand 29. Mai eine posthume Reduzierung um exakt 370.789 Impfdosen, die offenbar aus Lieferungen früherer Wochen abgezogen wurden. Und die Differenz verteilt sich sehr unterschiedlich auf die korrigierten Lieferquoten der Bundesländer. Falls das Bundesgesundheitsministerium diese Kuriosität erklärt, werden wir diesen Text anpassen. Auf Antwort warten wir trotz Erinnerungen seit Ende Mai.

Für betriebsärztliche Impfungen wurden bis letzte Woche 2,9 Mio. Impfdosen ausgeliefert, deren Verwendung aber immer noch nicht in der Statistik enthalten ist.

Daneben gingen zusätzlich bisher 675.000 Impfdosen an den Bund (für Bundeswehr, Bundespolizei, usw.) deren Verwendungsnachweis im Impfdashboard fehlt.

Als vereinfachtes Fazit kann man sagen, dass die Kluft zwischen verfügbaren Impfdosen und Verimpfungen seit Mai wöchentlich um ca. 1/2 Mio. wächst.

Da dieses tödliche Defizit offenbar im Bundesgesundheitsministerium und den primär verursachenden Bundesländern ausgesessen wird, können wir das Desaster nur dokumentieren und zur Besserung aufrufen.

Allerdings ist auch klar, dass die unnützen/tödlichen Einlagerungen ab August nicht mehr das Problem sind, da dann genug Impfstoff verfügbar ist, alle Impfwilligen zu versorgen, inkl. der Jugendlichen ab 12 Jahren.

Rolf Albrecht
     
   
   
 Die Vorläufer dieses Kommentars vom 1. Quartal 2021 und von April 2021 können Sie unter folgenden Direktlinks nachlesen:

https://www.ed-pro.de/artikel.php?id=8995
https://www.ed-pro.de/artikel.php?id=9040

     
   
  zurück blätternSeitenanfang