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 Doppel-Herausforderung: Energiewende und Pandemie
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 Die immer dringlichere, vollständige Energiewende ist aufgrund der drohenden Klimakatastrophen das dominante Thema dieses Jahrzehnts, wird aber nun schon seit Frühjahr 2020 von der akuten Bedrohung der Corona-Pandemie überlagert.

Stiebel Eltron, kämpft mit seinem breiten Lieferprogramm als Hersteller an beiden Fronten – mit Wärmepumpen und Lüftungsanlagen.

Chefredakteur Rolf Albrecht hat über diese Doppel-Herausforderung mit Frank Röder, Leiter Anlagenplanung bei Stiebel Eltron, gesprochen. Folgend unsere Zusammenfassung:


www.ed-pro.de: Herr Röder, beginnen wir beim Neubau, wo für Bauherren die Wärmepumpe zur dominierenden Wärmeversorgung wird, zunehmend kombiniert mit Fotovoltaik-Strom vom eigenen Dach. Das passt für viele, aber nicht alle?

Frank Röder: Wärmepumpen passen in jedem Neubau – und sie sind im Vergleich mit anderen Wärmeerzeugern die umweltfreundlichste und gleichzeitig eine zukunftssichere und wirtschaftliche Lösung. Natürlich ist das Zusammenspiel mit dem selbst erzeugten Strom vom Dach wünschenswert. Doch auch wenn eine PV-Anlage, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich ist, bleibt die Wärmepumpe das beste Heizsystem.

www.ed-pro.de: Passivhäuser brauchen kaum noch Heizwärme und bekommen ohnehin eine Lüftungstechnik, die auch die nötige Restwärme verteilen kann. Haben im Neubau bald Heizkörper und Flächenheizungen ausgedient?

Frank Röder: Es wird sicher auch in Zukunft Bauherren geben, die auf Strahlungswärme und damit Heizkörper oder Flächenheizungen – also ein wassergeführtes Verteilsystem – nicht verzichten möchten. Richtig ist aber: Wenn die Menge Luft, die aus hygienischen Gründen ohnehin bewegt werden muss, ausreicht, um auch den Wärmeeintrag in die Räume zu übernehmen, der für die Beheizung notwendig ist – dann ist ein solches System durchaus wirtschaftlich. Stiebel Eltron bietet mit dem LWZ 604 air ein solches Luftheizungsgerät, bei dem eine Wärmepumpe für die Wärmebereitstellung zuständig ist. Übrigens passt das nicht nur für Passivhäuser, sondern für alle Gebäude, die einen sehr niedrigen Wärmebedarf haben.

www.ed-pro.de: Stadtnahe Baugebiete werden eng bebaut, was gegenseitige Lärmprobleme unter Nachbarn nach sich zieht, auch wegen brummender Wärmepumpen. Was muss man hier beachten?

Frank Röder: Erst einmal geht es dabei ausschließlich um Luft-Wasser-Wärmepumpen, also Geräte, die die Luft als Wärmequelle nutzen. Erdreich- oder Grundwasser-Wärmepumpen sind ja ohnehin nicht betroffen. Aber auch die modernen Luft-Wasser-Wärmepumpen sind mittlerweile sehr leise. Dennoch gibt es natürlich bei der Aufstellung einige Vorgaben zu beachten. Geräteauswahl, Aufstellort und -art sollten sehr sorgfältig mit dem Fachhandwerker überlegt und geplant werden. Eine gute Lösung ist auch die Innenaufstellung des Gerätes – das reduziert die Schallemissionen noch einmal deutlich.

www.ed-pro.de: Für größere Bauobjekte gibt es entsprechend größere Wärmepumpen und Kaskadenlösungen. Kaskaden sind sehr lastvariabel und bei Ausfall eines Gerätes hat man allenfalls an sehr kalten Tagen statt Totalausfall der Heizung eine verminderte Spitzenlast. Aber was ist für Investition und Betrieb insgesamt wirtschaftlich?

Frank Röder: Das hängt sehr von den individuellen Gegebenheiten ab, insbesondere natürlich von der maximalen Gesamtleistung des Systems, aber eben auch von dem erwarteten Lastprofil über einen längeren Zeitraum. Ein zusätzlicher Vorteil einer Kaskadenlösung bei einem großen Bedarf ist übrigens noch, dass dabei Seriengeräte zum Einsatz kommen können, die im Werk unter perfekten Bedingungen gefertigt und getestet werden.

www.ed-pro.de: Fotovoltaik liefert an kurzen, kalten Wintertagen wenig Strom für Wärmepumpen. Ist es bei größeren Objekten da nicht sinnvoller nur die Grundlast per Wärmepumpe abzudecken und daneben eine Teillast z. B. über Stückholz oder Pellets abzudecken?

Frank Röder: Auch hier muss im Einzelfall entschieden werden. Allerdings sollte die mögliche Eigenstromproduktion nicht ausschlaggebend sein für die Wahl des Wärmeerzeugers, zumal bei größeren Projekten das Verhältnis von Nutz- zu Dachfläche ebenfalls immer weiter auseinandergeht, die Dachfläche als Energielieferant also immer weniger ins Gewicht fällt.

www.ed-pro.de: Wenn wir zur Sanierung von Altbauten wechseln, könnte man auch einen veralteten aber noch funktionsfähigen Öl- oder Gasbrenner als Kaltreserve stehen lassen, z. B. bis die bessere Dämmung nachgerüstet wird, oder neue Fenster?

Frank Röder: Ja, die Möglichkeit besteht. Stiebel Eltron hat für diesen Fall extra das Hydraulikmodul HMH entwickelt, das als Schnittstelle zwischen dem bestehenden Heizkessel und der neuen Wärmepumpe fungiert. Es ermöglicht nicht nur einen komfortablen Umbau einer bestehenden Heizungsanlage zu einem Hybridsystem, es entkoppelt die neue Wärmepumpe auch von der bestehenden Hydraulik und macht sie so unabhängig vom Verteilsystem und der benötigten maximalen Vorlauftemperatur. Bei einem vorhandenen Ölkessel muss man allerdings berücksichtigen, dass der Staat 45 % der gesamten Maßnahmenkosten übernimmt, wenn der Ölkessel durch eine effiziente Wärmepumpe ersetzt wird. Bleibt der Ölkessel als „Reserve“ bestehen, sind es nur 35 %.

www.ed-pro.de: Wärmepumpen bieten heute bei Bedarf auch hohe Vorlauftemperaturen. Ist das ein Freibrief für alle Altbauten mit klassischen Heizkörpern? Die Effizienz muss hier doch physikalisch suboptimal bleiben?

Frank Röder: Ein Stück weit ist das ein Freibrief für Altbauten mit Radiatoren als Verteilsystem, ja. Die Effizienz der neuen Geräte bei der Erreichung von hohen Vorlauftemperaturen ist auch dank neuer Kältemittel und damit Kältemittelkreisläufe tatsächlich deutlich höher als noch vor ein paar Jahren. Moderne Wärmepumpen, die Gebäude mit Vorlauftemperaturen von bis zu 60 oder 65°C versorgen müssen, erreichen heute Jahresarbeitszahlen, die vor ein paar Jahren Anlagen erreicht haben, die nur eine Vorlauftemperatur von 50 bis 55°C erreichen mussten.

www.ed-pro.de: Die Pandemie hat uns gezeigt, wie desolat es nicht nur in Schulen mit leistungsfähigen Lüftungen mit Wärmerückgewinnung aussieht. Geeignete Lösungen haben Sie – aber auch eine wachsende Lieferkapazität?

Frank Röder: Die Lieferkapazität ist derzeit nicht der limitierende Faktor, eher die Entscheidungsfindung auf der Trägerseite. Es sind oft viele verschiedene Beteiligte zu überzeugen. Das Interesse ist zwar massiv gestiegen, derzeit hapert es aber noch an der Umsetzung – was natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass es sich hier schnell um Investitionen im sechsstelligen Eurobereich pro Schule handelt.

www.ed-pro.de: Was kann hier bis zum nächsten Winter real geschafft werden?

Frank Röder: Es bleibt abzuwarten, ob diesmal die Sommer- und die Herbstferien genutzt werden, um zumindest einige Schulen entsprechend auszustatten.  Dabei muss man natürlich auch berücksichtigen, dass das Fachhandwerk nur begrenzt Kapazitäten hat.

www.ed-pro.de: Pandemien können jederzeit wieder ausbrechen. Und „Fenster auf“ ist mit Wärmerückgewinnung unvereinbar. Leben und arbeiten wir bald alle in Gebäuden mit automatisierter Lüftungstechnik?

Frank Röder: Auf jeden Fall wird dem Thema „gesunde Raumluft“ zukünftig deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als vor der Pandemie. Gerade erst berichtete der Spiegel: „Im Wissenschaftsmagazin »Science« fordern nun 39 Aerosolforscher und Ingenieure einen »Paradigmenwechsel«: Bisher sei die Qualität der Luft in Innenräumen vernachlässigt worden – weil die Bedeutung der in der Atemluft schwebenden infektiösen Partikel über Jahrzehnte unterschätzt worden sei. Damit müsse nach Corona Schluss sein. Architekten und Bauingenieure, so fordern die Autoren, müssen künftig schon bei der Gebäudeplanung an Pathogene und deren Ausbreitung denken. Themen wie Belüftung, Luftfiltration und -desinfektion müsse fortan die gleiche Bedeutung zukommen wie der Energiebilanz eines Gebäudes.“

Stiebel Eltron bietet jedenfalls diverse Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen, um zuverlässig und nachhaltig für gute Luft in Innenräumen  zu sorgen.

www.ed-pro.de: Vielen Dank für das Gespräch.
   
  
 
 
 
 
 
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Frank Röder,
Leiter Anlagenplanung.
 
 
 
 
 
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Lüftungsanlage mit integrierter Wärmepumpe und Warmwasserspeicher: Das Integralgerät LWZ 604 air ermöglicht den Verzicht auf ein wassergeführtes Verteilsystem, die benötigte Wärme wird über die Lüftung in das Gebäude gebracht.
 
 
 
 
 
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Elegante Lösung mit minimalen Schallemissionen: Innen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpe WPL 19/24 mit nebenstehendem Kombispeicher HSBC mit integriertem Puffer- und Warmwasserspeicher.
 
 
 
 
 
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Wärmepumpen-Kaskade – hier zwei WPL 25, die für das Mehrfamilienhaus im Hintergrund mit insgesamt neun Wohnungen zuständig sind.
 
 
 
 
 
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Das Hydraulikmodul Hybrid HMH koppelt zukunftssichere Wärmepumpentechnik in bestehende Heizsysteme, hier links der fossile Brenner und ein Pufferspeicher.
 
 
 
 
 
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Das VRL-C ist besonders für die nachträgliche Ausstattung von stark frequentierten größeren Räumen mit einer kontrollierten Lüftungsanlage geeignet. Hier wurde es direkt an der Außenwand montiert.
(Bilder: Stiebel Eltron)
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